Wie wir messen
Jeder Index vereinfacht. Auf dieser Seite dokumentieren wir deshalb, welche Indikatoren einfließen, woher die Daten stammen und wie daraus der Gesamtwert berechnet wird. Der letzte Abschnitt beschreibt die Grenzen des Ansatzes.
1 · Die neun Indikatoren
Ausgewählt wurden alltagsrelevante, für alle Kommunen einheitlich messbare Aspekte aus den Bereichen Mobilität, Konsum und Grünflächen. Die Standardgewichtung betont die Mobilität; auf der Startseite lässt sie sich frei verändern.
| Indikator | Messgröße | Quelle | Gewicht |
|---|---|---|---|
| Radinfrastruktur Länge ausgewiesener Radinfrastruktur (eigenständige Radwege, Radfahr- und Schutzstreifen) bezogen auf die Einwohnerzahl. | km je 1.000 EW | OpenStreetMap | 15 % |
| ÖPNV-Dichte Dichte der Bus-, Tram- und Bahnhaltepunkte bezogen auf die Stadtfläche. | Haltestellen je km² | OpenStreetMap | 15 % |
| Grünflächenanteil Anteil öffentlich kartierter Grün- und Waldflächen (Parks, Wiesen, Wälder, Kleingärten) an der Gesamtfläche. | % der Stadtfläche | OpenStreetMap | 15 % |
| Fußgängerfreundlichkeit Anteil von Fußgängerzonen und verkehrsberuhigten Bereichen an der Gesamtlänge des Straßennetzes. | % des Straßennetzes | OpenStreetMap | 10 % |
| E-Ladeinfrastruktur Öffentlich kartierte Ladestationen für Elektrofahrzeuge bezogen auf die Einwohnerzahl. | Ladepunkte je 10.000 EW | OpenStreetMap | 10 % |
| Carsharing-Angebot Carsharing-Stationen bezogen auf die Einwohnerzahl. | Stationen je 100.000 EW | OpenStreetMap | 10 % |
| Nachhaltiger Einkauf Unverpackt-Läden, Bioläden und Hofläden bezogen auf die Einwohnerzahl. | Läden je 100.000 EW | OpenStreetMap | 10 % |
| Second-Hand & Reparatur Second-Hand-Läden und Sozialkaufhäuser als Indikator für gelebte Kreislaufwirtschaft. | Angebote je 100.000 EW | OpenStreetMap | 10 % |
| Recycling-Infrastruktur Öffentliche Recycling-Container und Wertstoffhöfe bezogen auf die Einwohnerzahl. | Sammelstellen je 10.000 EW | OpenStreetMap | 5 % |
2 · Datenerhebung
Alle Indikatorwerte werden über die Overpass API aus OpenStreetMap extrahiert, abgegrenzt über die amtlichen Gemeindegrenzen (OSM-Verwaltungsrelationen, Admin-Level 8). Einwohnerzahlen und Gemeindeflächen stammen aus Wikidata und beruhen dort auf amtlichen Fortschreibungen.
Längen (Rad- und Fußinfrastruktur, Straßennetz) werden serverseitig aus den Weg-Geometrien summiert. Grünflächen werden aus den kartierten Polygonen (Parks, Wälder, Wiesen, Kleingärten) berechnet. Zählindikatoren (Haltestellen, Ladestationen, Läden) sind einfache Objektzählungen innerhalb der Stadtgrenze.
Die gesamte Pipeline ist als Python-Code dokumentiert und reproduzierbar; alle API-Antworten werden zwischengespeichert, sodass jeder Lauf nachvollziehbar bleibt. Die Architektur ist quellen-agnostisch aufgebaut: Einzelne Indikatoren können später auf andere Datenquellen (z. B. amtliche Register oder kommerzielle APIs) umgestellt werden, ohne das Index-Modell zu verändern.
3 · Normierung und Index
Rohwerte werden zunächst auf eine Bezugsgröße normiert (Einwohnerzahl, Stadtfläche oder Länge des Straßennetzes), damit große und kleine Kommunen vergleichbar sind. Anschließend wird jeder Indikator per Min-Max-Skalierung auf den Wertebereich 0 bis 1 gebracht: Die beste Kommune erhält 1, die schwächste 0.
Der Gesamtindex ist die gewichtete Summe der skalierten Werte, umgerechnet auf 0 bis 100 Punkte. Er ist damit ein relatives Maß: Er beschreibt die Position im Vergleichsfeld, keine absolute Nachhaltigkeit.
4 · Sensitivität
Für die Gewichtung der Indikatoren gibt es keine objektiv richtige Antwort; sie ist eine normative Setzung. Die Regler auf der Startseite zeigen deshalb, wie stark das Ranking von dieser Setzung abhängt: Wer sie verschiebt, sieht sofort, welche Platzierungen stabil bleiben und welche kippen.
5 · Grenzen des Ansatzes
- OSM misst das Kartierte, nicht das Vorhandene. In gut gepflegten Regionen, etwa Universitätsstädten, ist die Datenlage dichter. Ein Teil der gemessenen Unterschiede dürfte daher auf Unterschiede in der Kartierung zurückgehen, nicht auf die tatsächliche Ausstattung.
- Die Indikatoren zählen, sie bewerten nicht. Ein schmaler Schutzstreifen geht genauso in die Radweglänge ein wie ein baulich getrennter Radweg, und eine Haltestelle sagt nichts über die Taktung aus.
- Grünflächen können sich überlagern. Überlappende Kartierungen (etwa eine Wiese innerhalb eines Parks) werden nicht bereinigt. Der Grünanteil ist deshalb eine Näherung und bei 100 % gedeckelt.
- Zwölf Kommunen sind eine kleine Stichprobe. Die Auswahl deckt verschiedene Größen und Regionen ab, ist aber nicht repräsentativ im statistischen Sinn.
Geplant ist eine Validierung der Ergebnisse gegen kommunale Nachhaltigkeitsberichte sowie Kurzinterviews mit lokalen Stakeholdern (siehe Projektplan).
Datenstand: 2. Juli 2026.